Geschichte

Der Einfluss der letzten Eiszeit

Das Gebiet Neuheim-Menzingen wurde weitgehend geprägt durch die Einflüsse der letzten Eiszeiten während denen vor ungefähr 800'000 bis 10'000 Jahren die Gegend geformt wurde. Seine heutige Gestalt erhielt das Gebiet in der Eiszeit, als Reussgletscher und Linthgletscher sich in diesem Gebiet vereinigten. Sie formten dabei Seitenmoränen zu den bestehenden charakteristischen Drumlins um. Schmelzwasserschotter liegen auf dem Plateau der Baarburg und im Gebiet der Lorze und der Sihl. Sie sind überlagert von imposanten Moränenmassen, die das Hochplateau von Menzingen-Neuheim und damit wohl die grossartigste Moränenlandschaft der Schweiz aufbauten. Heute erheben sich grüne Moränenkuppen über vertorften Mulden und schaffen Landschaftsbilder von eindrücklicher Bewegtheit und seltsamen Reiz. Viele der kleinen Seen, die das schmelzende Eis in den abflusslosen Moränenmulden hinterlassen hat, sind verschwunden. Egelsee und Wilersee in der Gemeinde Menzingen sind bis heute Zeugen dieser Entwicklung.

Die Trennung von Menzingen

In der Schweiz erreichten die politischen Unruhen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Bürgerkrieg von 1847 ihren traurigen Höhepunkt. Der konservative Sonderbund, dem auch Zug angehörte, unterlag den Truppen General Dufours. Der Weg für die Schaffung eines Schweizerischen Bundesstaates, wie er in der Bundesverfassung von 1848 grundgelegt wurde, war damit geebnet. Der Kanton Zug hatte bereits am 21./22. November 1847 kapituliert und war sofort militärisch besetzt worden. Eine ausserordentliche Landsgemeinde berief am 5. Dezember die bisherigen Behörden ab, wählte eine provisorische Regierung und bestätigte den Antrag auf Totalrevision der kantonalen Verfassung. Demzufolge wurde am 13. Dezember ein mehrheitlich liberaler Verfassungsrat eingesetzt.

Diese Zeit des völligen Umbruchs bot einem Teil der Neuheimer die offenbar schon mehrmals erwünschte Gelegenheit zur politischen Trennung von Menzingen, mit dem zusammen man seit Jahrhunderten eine der drei Gemeinden des äusseren Amtes gebildet hatte. Am 21. Dezember 1847 beschloss die Kirchgemeinde Neuheim mit Stimmenmehrheit, der provisorischen Regierung des Standes Zug im Zusammenhang mit der Verfassungsrevision die Bildung einer eigenen politischen Gemeinde Neuheim vorzuschlagen: Nicht nur seien die beiden Dörfer eine gute Stunde, also recht weit, voneinander entfernt, Neuheim sei ja auch heute schon in mehrerer Hinsicht von Menzingen geschieden - so zum Beispiel seit 1675 im Kirchenwesen.

Die an der Kirchgemeindeversammlung unterlegene Minderheit wandte sich später ebenfalls an die Regierung und bat, unter allen Umständen bei Menzingen bleiben zu dürfen und nicht unter eine Gemeinde gezwungen zu werden, zu welcher sie «weder Liebe noch Neigung und Vertrauen» hätten, seien doch ihrer Ansicht nach die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die politische Verselbständigung Neuheims unzureichend. Am 28. Dezember forderte die provisorische Regierung die Kirchgemeinde Menzingen auf, zum Gesuch der Neuheimer innerhalb von drei Tagen, Stellung zu nehmen. Der Menzinger Kirchenrat reagierte prompt und ausgesprochen vornehm.

Den Vorwurf, die Neuheimer stiefmütterlich und als Minderheit behandelt zu haben, wies man ruhig zurück und erlaubte sich auch kein Urteil darüber, ob Neuheim für die Bildung einer eigenen politischen Gemeinde die nötigen geistigen und materiellen Mittel besitze. «Will der Kirchgang Neuheim mit uns Freud und Leid in gemeinsamer Haushaltung, wie seit Jahrhunderten, teilen, so fühlen wir uns mit Freuden angezogen, sie in Zukunft wie in der Vergangenheit mit gleicher uneigennütziger Rücksicht zu behandeln; glaubt er aber in der Trennung sein künftiges Glück zu finden, so nehmen wir zu viel Teilnahme an allem, was Neuheim berührt, als dass wir gegen dessen vermeintliches Glück sein könnten. Ungezwungen sei der Wille, welcher mit uns sich vereinigen will; frei sei aber auch jener Wille, der von uns scheiden will.»

Mit Entschiedenheit verwandte man sich indes für jene Neuheimer, die bei Menzingen bleiben wollten, seien sie doch «ein lebendiges Monument, dass es immer noch Männer gibt, welche die Handlungsweise von Menzingen gegenüber Neuheim zu würdigen wissen». Die vorberatende Kommission des Verfassungsrates sprach sich einstimmig dafür aus, Neuheim von Menzingen abzutrennen und als elfte politische Gemeinde des Kantons Zug in die Verfassung aufzunehmen. Der Verfassungsrat selbst schloss sich am 7. Januar 1848 mit 37 gegen 7 Stimmen dieser Meinung an, lehnte es jedoch ab, auf den Wunsch einzelner Neuheimer, bei Menzingen verbleiben zu können, einzutreten. Am 16. Januar 1848 wurde die neue Kantonsverfassung bei massiger Stimmbeteiligung vom Souverän angenommen. Neuheim war damit als eigene politische Gemeinde anerkannt.

Schon am 19. Januar, also bloss vier Wochen, nachdem man die Loslösung von Menzingen erstmals öffentlich gefordert hatte, wählte die Neuheimer Gemeindeversammlung die ersten gemeindlichen Beamten und bestellte ihre Behörden. Die «separatistischen» Neuheimer hatten also ihren politischen Willen in kürzester Zeit durchsetzen können. Das eigentliche Teilungswerk war damit aber noch keineswegs abgeschlossen. Wohl war der territoriale Umfang der neuen Gemeinde einigermassen klar: er umfasste das Gebiet des alten Kirchgangs Neuheim. Eine exakte Grenzlinie zwischen Menzingen und Neuheim soll allerdings damals noch nicht bestanden haben; angeblich wusste man bloss, ob ein Haus da oder dorthin gehörte! Ungelöst war indes die Ausscheidung der bis dato gemeinsamen Besitzungen und Verpflichtungen, desgleichen die Frage, wer denn nun künftig in welcher Gemeinde heimatberechtigt sei. Eine aus Vertretern der zwei Gemeinden gemischte Teilungskommission machte sich unter ständiger Rückversicherung bei den beiden Gemeinderäten bzw. -Versammlungen an die schwierige Arbeit.

Trotz gelegentlicher Rückschläge bleibt anzuerkennen, dass der freundschaftliche und loyale Geist, wie ihn der Menzinger Gemeindepräsident und mehrfach wiedergewählte Landammann Franz Josef Hegglin in der ersten Kommissionssitzung beschworen hatte, im grossen und ganzen durchgehalten wurde:

«Menzingen und Neuheim haben während Jahrhunderten Freud und Leid in heiteren und trüben Tagen auf eine echt familiäre Weise getragen; kein Ereignis vermochte ihr gutes Verständnis zu stören. Wolle und möge die Teilung selbst diesem echten Brudergeist die geistliche Weihe geben, indem das Wenige, welches zu verteilen ist, im Frieden und in Liebe, fern von jeder Eigennützigkeit geteilt wird, um so auch für die Zukunft zwischen beiden Gemeinden als zwei Schwestergemeinden ein gutes Verhältnis zu bewahren.»

Neuheim es war einmal

Aus einem Lexikon von 1856:
"Neuheim, oder Nüwen, Pfarrdorf mit 764 Einwohnern im Kanton Zug, 2044 Fuss über Meer auf einem Berg oberhalb der Sihlbrücke. Die beinahe einsam stehende Kirche wurde von 1663 neu gebaut und der hl. Maria geweiht."

Aus einem Schüler-Aufsatz von 1970:
"Wo liegt die kleinste Zuger Gemeinde? Wenn man vom Baarburgrank den Wanderweg über den Josefsgütsch geht, so stösst man zum Dorf Neuheim. Das Dorf ist auf einer kleinen Anhöhe versteckt, hinter dem Josefs- und dem Keisergutsch, eingebettet in saftige Wiesen und wuchernde Wälder. Trutzige Lindenbäume, das Wappenzeichen der Gemeinde, zieren einzelne Hügelkuppen der Moränen-Sihllandschaft. Beim 2. Kappelerkrieg anno 1531 wurde das Dorf samt der Kirche total verwüstet. Nichts anderes blieb, als diese schöne Kirche wieder aufzubauen, welche noch heute unser Gotteshaus ist. In den letzten Jahren wurde die Kirche einer totalen Renovation unterzogen und unter Denkmalschutz gestellt."

Die Entstehung unserer Hügel

Zu Urzeiten, als die ersten Menschen nach Neuheim und Menzingen kamen, begannen sie die Wälder zu roden, Häuser zu bauen, Ackerbau und Viehwirtschaft zu betreiben und lebten mit ihren Familien und Sippen glücklich und zufrieden. Die Familien wuchsen und bald genügten das Land und die Höfe den zahlreichen Nachkommen nicht mehr. Mit einer Abordnung baten sie den lieben Gott, ihnen mehr Land zu schenken. Doch Gott war nicht bereit, ihnen diese Bitte zu erfüllen und ermahnte sie zu mehr Bescheidenheit und Zufriedenheit. In ihrer Enttäuschung nahmen sie Kontakt mit dem Teufel auf, der sich voll Freude bereit erklärte, ihren Wunsch zu erfüllen. Schon am nächsten Tag kamen viele Teufel auf den Berg, vergruben sich tief in die Erde und begannen, mit ihren Schultern diese empor zu heben, damit durch die entstandenen Hügel die Fläche grösser wurde. Darob waren die Leute überglücklich und zum Dank schworen sie dem Teufel ewige Treue. Doch als sie an die Bewirtschaftung dieses Landes gingen, merkten sie, dass die Arbeit an diesen Hügeln viel mühsamer war als vorher und sie vom Teufel betrogen wurden. Weil der Teufel Kreuze und Linden hasste, setzten die Leute, um sich an ihm zu rächen, auf jeden Hügel ein Kreuz oder eine Linde. Zum Ärger des Teufels stehen diese bis zum heutigen Tag.

Der geheimnisvolle Strassenhund

In frühern Jahren war der Hund für viele Menschen wie ein Schreckgespenst, besonders dann, wenn er noch eine bestimmte Grösse aufwies und ein schwarzes Fell trug, handelte es sich um einen Dämonen. So wird die Geschichte von einem geheimnisvollen Hund erzählt, der regelmässig jede Samstagnacht von Horgen her über Neuheim Richtung Hinterburg zog. Auf seinem Rücken trug er stets eine gewaltige Rolle Schusterleder. Vor den Häusern einiger Ratsherren ruhte er sich oft aus, bevor er dann wieder weiterzog. Woher er wirklich kam und wohin er mit dem Schusterleder ging, weiss man bis heute nicht. Vielleicht ist er noch immer unterwegs. Nur meidet er vermutlich die stark befahrenen Strassen und schleicht übers Land.

Das Frauenkloster auf der Uterhausmatte

Unterhalb der Neuheimer Kirche, auf der Unterhaus-Matte soll vor undenklichen Zeiten ein Frauenkloster gestanden haben. Vor Jahren zeigte man dort eine Stelle, wo ungeachtet allen Anbaues nichts wachsen wollte. Oft sah man dort auch Lichter. Ein Nachtwächter will bei der dortigen Scheune um Mitternacht auch einen Mann ohne Kopf gesehen haben.